Klartraum mit Wettkampfvorbereitung von Lucas Krieg (28)

Im Traumtagebuch notiert am 23. Juli 2018:

 

Mein Gefühl

 

 

Ich befinde mich auf einer nächtlichen Kampfsport-Veranstaltung, die im Atrium eines alten Gebäudes stattfindet. Heute bestreite ich meinen ersten Kampf. Zehn Minuten, aufgeteilt auf zwei Runden, gegen einen anderen halbnackten Mann in einem Käfig. Mein alter Sportkumpel Bartholomäus (Name geändert), mit dem ich vor Jahren während seiner Wettkampfvorbereitung trainiert habe, steht mit dem Rücken zur Wand in der hintersten Reihe des Publikums.

Mit einer Guerilla-Intervention wollte er seiner Haltung gegenüber der katholischen Kirche Luft machen. Er weiß, dass er jeden Augenblick aufzufliegen droht, denn es sind Spione und stille Beobachter unter den Zuschauern. Unter Tränen verbrennt er seine selbstgemalten Plakate, die er in die Veranstaltung hineingeschmuggelt hat und vernichtet die letzten Beweismittel.

Meine erste Kampfrunde ist bereits vorüber. Kurze Pause für Kopf und Körper. Mir fällt auf, dass ich meine alten Skateboard-Schuhe trage.

Ich lasse die letzten fünf Minuten Revue passieren: Mein Gegner ist extrem zäh. Obwohl ich häufig die besseren Positionen erkämpft hatte und gute Schläge landen konnte, war es mir nicht gelungen, ihn zum Aufgeben zu zwingen. Überhaupt war es sehr schwer, ihn im Bodenkampf zu kontrollieren, denn er wusste sich stets herauszuwinden und meinen Angriffen auszuweichen.

Die Pause lässt mir noch genug Zeit, mich im Gebäude umzusehen. Ich beschließe die Örtlichkeit zu erkunden. Der Kampfkäfig thront in der Mitte des Raums. Ein Stockwerk höher befinden sich die obersten Ränge auf einem Laufgang um die große Öffnung der Raumdecke. Obwohl man von dort aus die beste Perspektive auf das Geschehen hat, sind kaum Zuschauer anwesend.

Nachdem ich über eine breite Steintreppe hinaufgestiegen bin und den Käfig nun von oben betrachten kann, bemerke ich auf einmal, dass ich träume. Meine Wahrnehmung öffnet sich.

Einen kurzen Moment darauf, fällt mir ein, wie ich diese Situation für mein Wachleben nutzen kann. Ich ergreife die Gelegenheit, um ein besonderes Mindset aufzubauen, das mir für meinen ersten Wettkampf (mein bevorstehendes Bodenkampf-Turnier im Oktober) helfen soll.

Mit Side-Steps bewege ich mich entlang des Laufgangs, der die Öffnung nach unten umgibt. Meine Schritte sind federleicht. Ich fließe wie ein Luftstrom über liegengelassene Sporttaschen, Jacken, Holzstühle, Sitzbänke und um verstreute Zuschauer.

Voller Kraft und elegant wie eine Leopard drehe ich meine Runden, meine Augen auf den Käfig gerichtet. Ich spüre, wie eine Gewissheit in mir aufwallt. Mir ist jetzt klar, dass ich nicht mehr besiegt werden kann.

„Das ist das Gefühl“, raune ich mir zu, „Mein Gefühl unbesiegbar zu sein.“

Meine Gedanken sind klar, das Gefühl umfasst alles. Es gibt nur noch mich und den Sieg in der Zukunft. Nichts anderes existiert.

 

Schnitt! (Falsches Erwachen)

 

Ich glaube im nächsten Tag und wach zu sein. Meiner alten Freundin Jana erzähle ich von meinem luziden Traum und dem besonderen Gefühl; dass ich mich noch nie so stark und schnell gefühlt habe.

Ich spüre, wie gut es mir geht. Mein Geist ist klar und bereit für etwas Großes.

 

Erst eine geschätzte halbe Stunde später erwache ich wirklich.

 

 

Anmerkung vom 1.11.2018:

Im Oktober 2018 habe ich mein erstes Kampfsport-Turnier bestritten. Nach meinem allerersten verlorenen Kampf habe ich diesen Moment aus dem Klartraum Revue passieren lassen. Kurz vor dem zweiten Kampf habe ich die bereits im luziden Traum erlebte Situation wiederholt: Mich mit Side Steps um die Mattenfläche bewegt, sie mit meinem Blick fokussiert und mich an das geträumte Gefühl erinnert.

Den darauffolgenden Kampf konnte ich trotz erschwerter Bedingungen für mich entscheiden.

 

 

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